Nürburgring GP-Kurs - Fahrbericht

Vorweg, ich bin weder ein professioneller noch semiprofessioneller Fahrer, sondern nur ein Durchschnittsfahrer.
Demnach ist diese Beschreibung auch nur für solche Fahrer wie mich interessant; Fahrer(innen) die unter 2 Minuten und 28 Sekunden den Kurs absolvieren, brauchen erst gar nicht weiter zu lesen, denn das sind die, die mich eh überholt haben. :)
Fahrer und Fahrerinnen, die mit leistungsschwächeren Motorrädern Zeiten um die 2:40 Minuten oder weniger in den Asphalt brennen, brauchen auch nicht weiter zu lesen, den diese fahren garantiert eine sauberere Linie als ich, demnach würden sie mich auf gleichwertigen Maschinen überholen! :)

Alle unten aufgeführten Geschwindigkeitsangaben sind die von mir mit einer unaufgerüsteten Suzuki GSX-R 1000, Baujahr 2005, gefahrenden; diese variieren jedoch von Motorrad zu Motorrad.
Demnach unter keinen Umständen diesen Angaben blind Folge leisten!


Mercedes-Arena

Mein Bremspunkt liegt ca. 200 Metern und ca. 7 Sekunden (!) vor der eigentlichen Kurve (bei einer Geschwindigkeit um die 250 km/h). Vorsicht, Anbremszone ist mit Bodenwellen gespickt! Hier wird die ganze Fuhre unruhig und das Heck wird unter Umständen steigen, so dass man eventuell in die Auslaufzone muss. Keine Panik, die Auslaufzone ist 'ne Wucht... ;)
Mit ca. 60 km/h wird die Kurve im zweiten Gang gefahren (1. Gang ist was für Profis, ich bin keiner...). Jedoch nicht zu weit innen, da im Scheitelpunkt eine deftige Bodenwelle ist sowie eine (gefühlte) Senke, wodurch man die Federelemente zu stark beansprucht; bei mir gab's als Mahnung ein leicht rutschendes Hinterrad.
Demnach mit Straßensport-Mopeds und Bereifung lieber etwas weiter außen halten.

Nach Ausgang der Rechtskurve kurz hochbeschleunigen (ca. 120 km/h) um dann wieder in Schräglage leicht bremsen bis auf ca. 90 km/h (alles zweiter Gang) um die folgende Links zu erwischen. Nach dem Kurvenscheitelpunkt in Schräglage kräftig beschleunigen bis auf über 130 km/h und in Schräglage in die Links bis auf ca. 80 km/h hinein bremsen (Vorsicht, Lowsider-Gefahr!) um die nächste Rechts (Ausgang Mercedes-Arena) mit ca. 85 km/h zu erwischen. Die Links lieber etwas langsamer angehen ansonsten erwischt man die folgende Rechts nicht optimal. Ich habe zwischen beiden kurz hochbeschleunigt um dann wieder die folgende Rechts (Ausgang Mercedes-Arena) kurz angebremst. Ich weiß nicht ob es nur mir so ergangen ist, aber Ausgang Mercedes-Arena konnte ich nicht bis an die Innen-Kerbs (amerikanisch: Curbs) fahren, da hier schlagartig der Grip vom Hinterreifen abriss. Also habe ich mich auch hier etwas weiter außen gehalten.
Ausgang Mercedes-Arena voll hochbeschleunigen, hier steigt gerne das Vorderrad, was einen nicht schneller macht aber als Show-Einlage, falls ein Fotograf in der Nähe ist, zu gebrauchen ist. :)

Ford-Kurve

Bei ca. 210 km/h wird der Bremsvorgang eingeleitet, demnach sollte das Vorderrad auch wieder am Boden sein ( ;) ) um die Linkskurve mit 120 bis 140 km/h zu nehmen (je nach Linienwahl). Die schnellen Fahrer fahren diese Links mit ca. 120 km/h (hab' nachgefragt) und beschleunigen kurz hoch um dann wieder kurz zu bremsen um die folgende Rechts mit ca. 95 km/h zu nehmen.
Ich selber fahre hier lieber einen weiteren Bogen mit ca. 135 km/h und verzichte aufs Beschleunigen. Macht mich aber hier langsamer da ich schon beim Umlenken bremsen - und zudem die längere Strecke zurücklegen muss, allerdings konnte ich dadurch langsamere Fahrer außen überholen. Wie dem auch sei, von nun an geht's steil bergab...
Ausgang Ford-Kurve voll beschleunigen. Den leichten Links-Bogen zur Dunlop-Kehre runter merkt man nicht; man beschleunigt voll durch.
Anmerkung: Bei Regen oder teils trockener, teils feuchter Fahrbahn, in der Ford-Kurve extrem vorsichtig agieren, weil es sonst zu einem Lowsider, unter Umständen sogar zu einem Highsider kommen kann!

Dunlop-Kurve

Man kommt im fünften Gang mit ca. 240 km/h auf die 180-Grad-Rechtskurve zugefahren und bremst bis auf ca. 85 km/h herunter. Unterschätzt die Bergab-Passage nicht - das Motorrad schieb kräftig... Man bremst zuletzt nur noch wenig in die Kurve hinein. Demnach sollte man auch tunlichst den zweiten Gang drin haben um das anschließende Michael-Schumacher-S, welches steil bergauf führt, möglichst temporeich ansteuern zu können.
Die Dunlop-Kurve ist mein Liebling, auch wenn andere geradeaus ins Kiesbett gefahren sind (Bremspunkt verpasst) oder sich Ausgangs vom Motorrad getrennt haben.
Da es hier jedem passieren kann, ungewollt sein Motorrad abzustellen, sollte man immer mit ein wenig Reserve fahren und am Kurvenausgang nicht schlagartig das Gas auf Anschlag stellen, sondern kontinuierlich beschleunigen. Wenn der Hinterradreifen beim Beschleunigungsvorgang anfängt über den Belag zu schrubben (das Heck fängt an zu schwänzeln), weiß ich, dass ich mich kurz vor dem Limit befinde. Wer diese Warnsignale ignoriert, muss sich nicht wundern, wenn er abfliegt.

Michael-Schumacher-S

Bei ca. 210 km/h bremst man kurz auf ca. 160 km/h herunter in den 3. Gang um die Links zu erwischen. Dies sollte man aber tunlichst üben, üben, üben, da ein schneller Schräglagenwechsel erforderlich ist, um die auf dem Fuß folgende Rechts noch mitnehmen zu können.
Nach dem Umlegen in die Rechts wird sofort, aber mir Gefühl (!), Vollgas gegeben (Vorsicht: wer's übertreibt produziert einen fatalen Highspeed-Highsider!), so dass man Ausgangs der Rechts schon wieder mehr als 180 km/h anstehen hat! Zudem geht es steil bergauf; hier hatte ich immer das Gefühl, dass dem Motor die Luft ausgeht - und das bei 130 KW laut Fahrzeugbrief!

Bit-Kurve

Eingangs der Bit-Kurve hatte ich ca. 220 km/h drauf, die Links kann man aber nur mit ca. 100 km/h nehmen (ich bin kein Profi) so dass ich hier regen Gebrauch von der Anti-Hopping-Kupplung machen musste... Anbei, diese Kurve und die Kurve Eingangs Mercedes-Arena verschleißen bei mir am heftigsten die Bremsbeläge, zudem scheint die Anbremszone mit Bodenwellen gespickt zu sein, da beim Abbremsen das Motorrad extrem unruhig wird.
Ausgangs der Rechts beschleunigt man kurz bis auf ca. 130 hoch und bremst wieder leicht bis auf ca. 100 km/h ab.
Die Rechts der Bit-Kurve sollte man tunlichst nicht zu weit innen anfahren, z.B. um innen einen anderen Fahrer zu überholen. Leider reißt auf der innersten Linie Eingangs der Rechts (stumpf reingefahren) der Grip schlagartig vom Hinterreifen ab. Ich weiß nicht ob es an meinen Reifen oder an der Strecke liegt, jedoch haben sich hier mehrere Fahrer ins Abseits bugsiert, so dass ich davon ausgehe, dass ich nicht der einzige war, der mit dieser Kurve, wenn sie stumpf angefahren wird, seine Schwierigkeiten hatte. Also einfach nur vorsichtig sein und sich eher an der Ideallinie orientieren.
Im Regen erscheint mir diese Rechts noch tückischer...

Hatzenbachbogen

Von der Bit-Kurve aus beschleunigt man was das Zeug hält. Den Hatzenbachbogen können Geübte mit ca. 250 km/h nehmen, demnach nur kurz das Gas wegnehmen bzw. stehen lassen; am besten vorher noch in den 5. Gang schalten. Ich habe dies einmal annähernd, jedoch unabsichtlich gemacht, als ich einem schnellen (schnelleren!) Piloten Paroli bieten wollte, bin aber soweit nach außen gekommen, dass ich nur noch knapp auf der Straße geblieben bin (Puh...) und von da an habe ich bei etwas mehr als ca. 210 km/h Schluss gemacht habe. Jetzt weiß ich auch warum man den Hatzenbachbogen auch Mut-Kurve nennt... Ja, ja, ich geb's zu, ich bin ein Weichei... :)
Nach dem Hatzenbachbogen das Beschleunigen nicht vergessen, denn die NGK-Schikane ist noch ein paar Meter entfernt! :)

NGK-Schikane

Die NGK-Schikane wird im 2. Gang genommen, dass heißt man muss bei weit über 220 km/h diese anbremsen. Man sollte nicht darauf vertrauen, dass man weit in die Links hinein bremsen kann, weil man sonst für die nächste Rechts, die mit ca. 110 km/h angefahren wird und unmittelbar der Links folgt, viel zu schnell ist.
Nach der Rechts gefühlvoll bis auf ca. 135 km/h beschleunigen und wir befinden uns direkt vor der Coca-Cola-Kurve.
Man hat mir gesagt, dass man diese Schikane als eine Linie durchqueren kann, ich selber habe aber nie diese Linie gefunden, auch nicht nach unzähligen Versuchen. Demnach was für Profis...

Coca-Cola-Kurve

Wieder eine 2. Gang Kurve, die man allerdings auch teilweise leicht in Schräglage anbremst, weil man diese nur mit ca. 90 km/h nimmt. Von nun an bis zum Bremspunkt vor der Mercedes-Arena gilt es sich äußerst klein zu machen.
Anbei, ich mag diese BMW S1000 RR und diese getunte Suzuki GSX-R 1000 nicht, die mich hier aussahen ließen, als würde ich den fünften Gang nicht finden; auf Höhe kurz vor dem Ende der Boxengasse wischten sie so mir-nichts-dir-nichts an mir vorbei... Jungs, ihr seid sooo gemein... ;)
Anbei, beim Herausbeschleunigen aus der Coca-Cola Kurve kann man sehr gut diejenigen überholen, die nur unwesentlich langsamer sind als man selber: einfach einen Tick langsamer anfahren und innen durchstechen.


Die GP-Strecke im Regen

Die ersten beiden Turns des ersten Tages habe ich im strömenden Regen gefahren. Fand ich sehr gut, weil ich den Streckenverlauf überhaupt nicht kannte. Was ich nicht annähernd so toll fand, ist dass selbst bei gemäßigtem Tempo der Grip dieser Rennstrecke scheinbar unter dem liegt, was man im öffentlichen Straßenverkehr antrifft, soll heißen, es ist kaum Grip mit Straßensportreifen vorhanden (Metzeler Sportec M3). Ich habe kaum eine Runde drehen können, ohne dass der Hinterradreifen leicht wegschmierte. Für Profis mag das kein Problem sein, ich selber bekomme davon Bauchschmerzen.
Im Nachhinein betrachtet, hätte ich natürlich das Setup komplett weicher einstellen müssen, habe dies aber nicht gemacht, weil ich gar nicht schnell sein wollte, sondern nur die Rennstrecke erfahren wollte.
Mit dem dritten Turn trocknete die Strecke ab und ich konnte endlich gefahrlos etwas zügiger fahren, jedenfalls im Bereich der Ideallinie. Außerhalb dieser war der Belag noch nass und musste tunlichst gemieden werden.
Anbei, ein herzliches Dankeschön an die wirklichen Könner und Racer der Gruppe A, die die Ideallinie aufmalten; man musste einfach nur dem trockenem Belag folgen und man wusste für die Zukunft, wo sich die Ideallinie befand! :)
Der vierte Turn wurde komplett im Trockenen gefahren so dass man auch mal gefahrlos überholen konnte, was ich sonst nur auf der Start-Ziel-Geraden im Nassen gemacht habe, um andere und mich nicht zu gefährden.
Mit Mitte des fünften Turns setzte wieder Regen ein und nachdem mir zweimal leicht das Hinterrad wegrutschte, einmal Ausgangs der Ford-Kurve, zum anderen in der Rechts der Bit-Kurve, habe ich diesen Turn abgebrochen und habe zudem den sechsten Turn komplett ausfallen lassen, weil es wieder in Strömen regnete.

Der nächste Tag war einfach nur perfekt und diesen habe ich oben beschrieben.


Zusammenfassung, Danksagung

So, das war es von mir und meiner ersten Nürburgring GP-Kurs Erfahrung.
Vielleicht bietet meine Beschreibung dem einen oder anderen eine Orientierungshilfe.
Nächste Jahr werde ich versuchen mehr Termine auf dem Nürburgring GP-Kurs wahrzunehmen, falls meine Arbeit dies erlaubt und das Wetter mitspielt, und hoffe wieder durch Bike-Promotion und PS-Racecamp betreut zu werden, denn diese haben geschafft, das von der Nürburgring-GmbH verschuldete Chaos in geordneten Bahnen zu lenken.

An alle die an dieser Veranstaltung teilgenommen haben und in der gleichen Gruppe fuhren wie ich: Meinen Dank für eure besonnene Fahrweise, es hat einen Heidenspaß gemacht, mit euch zu fahren!


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Alle Geschwindigkeitsangaben sind Tachoangaben minus 10 Prozent. Da dies nicht sehr genau ist, habe ich bewusst das Adverb 'zirka' den Geschwindigkeitsangaben voran gestellt.