Nürburgring 28. Juni 2011



Beim Buchen von Renntrainings habe ich bis dato mit dem Wetter sehr viel Glück gehabt, anders kann man es nicht nennen. :)
Obschon im Vorfeld das Wetter regnerisch und viel zu kalt war, habe ich mich trotzdem entschlossen, das Tagesrenntraining auf dem Nürburgring zu buchen - und es war beileibe kein Fehler. :)

Im Vorfeld habe ich die Bremsschläuche gegen Stahlummantelte ersetzen lassen, da ich gravierende Probleme mit der Vorderradbremse auf dem Hockenheimring hatte. Zudem wurde DOT 5.01 als Bremsflüssigkeit eingefüllt und nicht mehr DOT 4.
Die Bremsbelagstärke lag noch knapp bei 50 Prozent, so dass ich davon ausging, dass diese noch das Tagestraining mitmachen würden, was sich im Nachhinein als Trugschluss herausstellte.

Am Montagabend bin ich bei milden Temperaturen angereist und ausgeruht angekommen. Nach dem Duschen bin ich zur Anmeldung gefahren und musste dem ausschließlich englischsprechenden Security-Personal verklickern, dass ich kein Besucher bin, sondern eine Berechtigung hätte, die es mir erlaubt, das Areal zu befahren. Nach einigem Hin-und-Her hat man mich dann durchgelassen.

Als ich das Fahrerlager befuhr war der Schock ein wenig groß.
Es waren zwar kaum noch Teams vom 24-Stundenrennen Vorort, jedoch war das ganze Areal zugemüllt. Ich bin Slalom gefahren, damit meine Reifen keinen Fremdkörper aufnahmen (z.B. in der Form von zerborstenem Glas). :)

Vor der Anmeldung war gar nichts los; ich war der einzige der seine Maschine einer technischen Überprüfung unterziehen lassen musste. Normalerweise wartet dort immer eine lange Schlange von Motorrädern...
Mir war's recht. Umso schneller wurde die Überprüfung durchgeführt.
Beanstandet wurden die vorderen Bremsbeläge; ich sollte ein Auge auf diese haben. Ich dachte noch: "So ein Quatsch, etwas mehr als 50 Prozent Verschleiß in zwei Tagen auf dem Hockenheimring und hier würde ich diese innerhalb eines Tages herunterfahren?". Kann ja nicht sein. Egal, ich würde wirklich ein Auge auf diese haben, war mir aber hundertprozentig sicher, dass die Bremsbeläge durchhalten würden (ich und mein Optimismus :) ).
Als dann der Gruppenaufkleber angebracht werden sollte, war mein Schreck groß. Ich war der Gruppe "A" zugewiesen. Hmm, ich und in der Gruppe der Racer, die mit Slicks und stark modifizierten Motorrädern an den Start gehen? Nee, so schnell bin ich nun doch nicht... Also habe ich gebettelt, in eine andere Gruppe versetzt zu werden. Glücklicherweise für mich gab es nur sehr wenige Anmeldungen, so dass ich mir die Gruppe aussuchen konnte, in der ich fahren wollte. Demnach habe ich mich für die Gruppe "C" entschieden, mit der ich bis dato sehr gute Erfahrungen gemacht habe.
Ich musste aber versprechen, dass ich nur den ersten Gang benutzen würde. ;)
Dass ich meine Versprechen nicht halte, weiß jeder der mich kennt. (Hihihi).

Zurück zur Pension, Motorrad in die Garage gestellt, Essen gegangen, mit den Gastwirt-Ehepaar noch einen Plausch gehalten und ab ins Bett.

Nach dem Frühstück aufgemacht zur Fahrerbesprechung, und mein Staunen war groß. Es waren nicht viele Teilnehmer Vorort. Wenn's sechzig gewesen sind war's viel. Konnte mir und den anderen Teilnehmern nur recht sein; je weniger Teilnehmer desto mehr freie Runden hat man zum Fahren (dachte ich da noch...).

Da ich in der Gruppe "C" fuhr, konnte ich nach der Fahrerbesprechung noch zur Pension zurückkehren, und Duschen. Ich weiß warum ich in der Gruppe "C" fahren will, man muss morgens nicht so früh los. :)

Dann stand der erste Turn bei milden Temperaturen an. Während ganz Deutschland sich auf enorme Temperaturen vorbereitete, war es in luftiger 600m Höhe sehr erträglich. Ich schätze mal, dass im Tagesverlauf das Thermometer nicht über 28°C geklettert ist. :)
Somit war ich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.

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Als letzter die Rennstrecke befahren und dann mal gemütlich die erste Runde abgespult. Zweite Runde forcierter angegangen und ab der dritten Runde schon mal das Gas länger offenstehen lassen.
Trotzdessen das nur ca. 20 Fahrer in der Gruppe "C" fuhren, musste ich sehr oft überholen, einige Fahrer habe ich auch zweimal überholt. Nicht dass ich so schnell gewesen wäre, die waren einfach nur sehr gemütlich unterwegs.
Oh Schreck lass nach, wieder das gleiche Problem mit den Bremsen. Noch bevor der Turn zu Ende ging, musste ich raus weil der Bremshebel am Gasgriff anlag. Schade, der Turn hätte eine halbe Stunde gedauert, ich konnte davon aber nur ca. 20 Minuten fahren.
Nägel mit Köpfen gemacht und Bremshebel direkt von Position 3 auf Position 1 gestellt. Das bedeutet für mich, dass ich die ersten Runden mit nur einem Finger Bremsen kann, aber allemal besser als vorzeitig die Turns abzubrechen.

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Der zweite Turn funktionierte dann wesentlich besser, auch wenn ich wieder die ganze Hand zum Bremsen verwenden musste, was mir Mühe bereitet. Da ich immer schneller wurde, musste ich auch dauernd überholen. Ich hatte meine Déjà-vu-Erlebnisse, weil ich oft genug die gleichen Fahrer mehr als einmal überholt habe... Hätte ich doch lieber eine schnellere Gruppe wählen sollen?

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Ende des Start-Ziel laufe ich auf einen Hornet 900 Fahrer auf (der Geschwindigkeitsüberschuss einer 1000er ist auf Geraden gewaltig). In der Mercedes-Arena finde ich aber keinen Weg an ihm vorbei. Hmm, der ist flott unterwegs. Soll ich oder soll ich nicht? Die kurze Gerade auf die Ford-Kurve zu müsste sich doch zum Überholen eigenen? Tut sie auch. Ausgang Ford-Kurve höre ich ihn aber wieder hinter mir. Hmm, mache Platz und lasse ihn vorbei zur Dunlop-Kehre runter. Vielleicht hat er eine bessere Linienwahl als ich? Hat er. :)
Die Dunlop-Kehre fährt er anders an als ich und ist ein klein wenig schneller darin. Er verliert nur sehr viel Zeit beim Rausbeschleunigen (klaro, ich hab' ja auch knapp 60 PS mehr als er (echte 108 PS zu echten 167 PS :) ). Es geht durch das Michael-Schumacher-S und auf der kurzen Geraden beschleunige ich ihn aus. Dann durch die Bit-Kurve und den Hatzenbachbogen, NGK-Schikane und Coca-Cola-Kurve.
Auf der Start- und Zielgeraden halte ich mich weit rechts und beschleunige nur auf 160 km/h und werfe einen Blick zurück. Nanu, wo isser denn? Fahre gemütlich die Start-Zielgerade herunter aber immer noch nichts von der Hornet zu sehen. Na ja, dann fahre ich halt ohne ihn weiter.

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Nach Ende des Turns treffe ich ihn. Eine Motorhalterung ist abgerissen, deshalb musste er den Turn vorzeitig beenden. Da er (Thomas) aber eh aus der Gegend stammt, nimmt er es mit Humor und fährt zur nächsten Schlosserei.

Ich habe indessen eigene Sorgen. Ein Blick auf die vorderen Bremsbeläge offenbart, dass diese bald verschlissen sind. Halte Rücksprache mit einem Kawasaki-Techniker. Er hatte mich gestern schon darauf hingewiesen, dass sie das Training nicht durchstehen würden. Ein Turn würde wohl noch gehen, dann wäre aber Schluss.
Ein aus der Gegend stammender Junge (ca. 12 Jahre alt) klärt mich auf, dass es in Adenau einen Suzuki- und einen Yamaha-Händler geben würde. Hmm, da werde ich mal vorbeischauen müssen.

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Also fahre ich den nächsten Turn noch halbherzig. Als dann der Turn beendet ist, ist Thomas mit seiner reparierten Hornet wieder da. Da er in Adenau die Mittagspause verbringen will, fahren wir gemeinsam  die fünf Minuten nach Adenau. Leute, fahrt niemals hinter Einheimische her. :) Thomas legt eine Pace vor die sich gewaschen hat.
In Adenau trennen sich unsere Wege. Ich muss zum Ortsende um zum Suzuki-Händler zu gelangen.
Mein Glück scheint mir nicht hold zu sein. Es ist 12:44 Uhr und die Werkstatt macht um 12:30 ihre Pforten für eine Mittagspause dicht. Ich gehe zur Werkstatt selber und habe Glück, dass ein Techniker dort seine Mittagspause verbringt. Leider telefoniert er. Also muss ich warten.
Als er das Mobiltelefon zur Seite legt, klage ich mein Lied. ;)
Just in diesem Moment kommt auch noch der Besitzer. Der Techniker beschreibt mein Problem und der Besitzer ist so freundlich nachzuschauen, ob sie für meine K5 Bremsbeläge hätten. Nach kurzem Warten kommt er zurück, greift in ein Regal und übergibt mir Racing-Beläge mit der Frage, ob sie sie noch einbauen sollen?
Ich bejahe, da ich eh nicht das entsprechende Werkzeug dabei habe. Ich müsste dafür im Fahrerlager bei der Kawasaki-Crew um Werkzeug fragen, was allerdings nicht das Problem wäre, da man mir sowieso schon Unterstützung zugesagt hat. Jedoch läuft mir die Zeit davon.
Ohne zu murren unterbricht der Techniker seine Mittagspause und fängt an die Beläge zu wechseln.

Wir kommen ins Gespräch, dabei schildere ich ihm meine Bremsprobleme, trotz Stahlflex Bremsleitungen und DOT 5.01. Da er selber Langstreckenrennen fährt, klärt er mich über die Problemezonen der 1000er K5 Bremsanlage auf: Weder liegt es an den Bremsschläuchen noch an der Bremsflüssigkeit noch an der Bremspumpe. Die unbeschichteten Aluminium Bremskolben der originalen Tokico-Anlage sind schuld. Diese werden bei Rennstreckenbetrieb dermaßen heiß, dass diese ungehindert die Hitze an die Bremsflüssigkeit abgeben. Er nennt mir auch eine Bezugsquelle (HH-RaceTech) für beschichtete Bremskolben und geht sehr tief in die Materie Bremsen ein. Ich lerne und lerne...

An alle Hobby-Rennstreckenfahrer mit einer 1000er K5/K6 (die 750er Gixxer ist davon nicht betroffen): Bleibt bei den originalen Suzuki-Bremsbelägen und Bremsschläuchen, wechselt nur die Bremskolben. Auch die Mär von Castrol SRF als Soforthilfe kann ins Reich der Märchen verbannt werden. Schaden tun diese Dinge alle nicht, sie bringen aber keine spürbare Linderung fürs Problem.

Nach wenigen Minuten waren neue Bremsbeläge verbaut, obschon nach eigenen Aussagen der Techniker kräftig drei Tage Kirmes gefeiert hätte! :)
Als es ans Bezahlen ging war ich wieder positiv überrascht. Für kleines Geld wurden mir die Bremsbeläge und deren Montage überlassen. Man hätte auch meine Not ausnutzen können. Hat man aber nicht. Respekt! :)

Also zurück zum Nürburgring. Maschinenteile wieder abgeklebt und Nummernschild abgebaut.
Pweeh, es verbleiben noch 7 Minuten zum nächsten Turn. Thomas stellt mir Fritz vor, den er in einem Restaurant in Adenau getroffen hat. Fritz kommt aus Aachen und fährt so zum Spaß auch auf einer Honda Hornet 900 durch die Gegend. Thomas lotste ihn an den Security-Posten vorbei, weil diese keinen ohne gültige Einfahrberechtigung hinein ließen. Hmm, da stellt sich mir dann doch die Frage, wie Kurzentschlossene an einem solchen Training teilnehmen können, ohne vorher gebucht zu haben. Irgendwas läuft da nicht richtig...
Wie dem auch sei, wir befahren zu dritt die Rennstrecke. Leider entwischen mir beide aber umgehend, weil sie angasen was das Zeug hält. Ich jedoch muss erst einmal meine Reifen auf Temperatur bringen sowie mich mit den neuen Belägen vertraut machen. Die Dinger beißen, dass es eine wahre Freude ist. :) Leider wandert der Druckpunkt, wie nicht anders zu erwarten. :\

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Egal, ich hab' meine Freude bis ich kurz vor dem Ende des Turns von einer Maschine in der Mercedes Arena innen in Schräglage überholt werde. Uiuiui, der ist aber schnell. Da kann ich noch was  lernen. :)
Also so gut wie möglich versucht den Anschluss zu halten. Gelingt mehr oder minder gut, weil der Fahrer wahnsinnig spät bremst und dann noch sehr tief in die Kurven hinein. Zudem ist seine Kurvengeschwindigkeit höher als die meine. Ich lerne immer mehr. :)

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Auf den Geraden hole ich ihn aber immer wieder ein. Nach zwei Runden hinterherfahren denke ich, dass ich ihn mal überholen sollte, und zwar im leichten Links zur Dunlop-Kehre herunter. Gedacht getan, womit ich aber nicht gerechnet habe ist, dass er mich außen ausbremst... Ich bin bestimmt nicht früh auf der Bremse, aber was der dort macht ist bemerkenswert.
Ich hänge mich wieder an ihn dran und lerne mehr und mehr. Leider ist der Turn aber mit dieser Runde zu Ende. Im Fahrerlager angekommen, muss ich verblüfft feststellen, dass es Fritz auf seiner Hornet 900 ist, der da so schnell unterwegs ist.
Wir reden und er gibt mir ein paar Tipps mit auf dem Weg die ich in den nächsten noch anstehenden Turns beherzigen will. Langsam wird mir klar, dass Fritz ein Vollblutracer ist. Er nennt auch noch eine 1000er K6 sein Eigen, jedoch fährt er lieber mit der Honda über den Parcours, da die Honda wesentlich handlicher ist. Zudem bekommt man so eine Honda für kleines Geld, so dass beim Verschrotten dieser es nicht dem Geldbeutel allzu weh tut. Wie gesagt, er ist ein Racer... :)
In den nächsten Turns werde ich immer schneller, dank Fritz seiner Ausführungen, so dass ich ihn irgendwann am Überrunden bin.

Beim letzten Turn hänge ich mich nur noch an Fritz dran und optimiere meinen Kurvenspeed.
Danke Fritz und Thomas. Es hat sehr, sehr viel Spaß gemacht mit euch beiden zu fahren.

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In diesem Sinne, sportliche Grüße von Niederrhein.